ADHS
ADHS beginnt in der Regel im Kindesalter. Bei vierzig bis sechzig Prozent der Betroffenen besteht ADHS im Erwachsenenalter weiter. Allerdings sind die Beschwerden häufig schwächer bzw. verändern sich. Im Vordergrund stehen dann etwa innere Unruhe, Unausgeglichenheit oder Reizbarkeit. Es kommt zu Problemen im Alltag – zum Beispiel in der Arbeit oder in Beziehungen.
ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Diese macht sich durch Hyperaktivität, Impulsivität sowie Unaufmerksamkeit bemerkbar. Die Probleme können sich auf viele Bereiche des Lebens auswirken: Denken, Gefühlsregulation, Verhalten, schulische Leistungen sowie das soziale Miteinander.
Auf Englisch wird ADHS als ADHD bezeichnet: Das ist die Abkürzung für attention deficit hyperactivity disorder.
Bei Kindern, die sehr unaufmerksam sind – jedoch nicht hyperaktiv –, spricht die Fachwelt vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, kurz ADS.
ADHS bei Kindern und Jugendlichen
Welche Ursachen für ADHS gibt es?
Die genauen Ursachen von ADHS sind noch nicht abschließend geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Einflüsse eine wesentliche Rolle spielen. Eine dadurch bedingte Störung des Stoffwechsels von Katecholaminen in der Großhirnrinde dürfte eine wichtige Rolle spielen. Laut Fachwelt betrifft diese Störung vor allem die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin.
Bildgebende Untersuchungen zeigen zudem, dass es bei ADHS zu Veränderungen der Struktur und Funktionen im sogenannten präfrontalen Kortex des Frontallappens sowie den Basalganglien des Gehirns kommen kann.
Auch weitere Faktoren könnten sich auf ADHS-Symptome auswirken – allerdings ist dies wissenschaftlich umstritten. Die Fachwelt diskutiert zum Beispiel folgende Umstände als mögliche Risikofaktoren:
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf kann ADHS-Symptome verstärken
- Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht
Zudem können Auffälligkeiten der Psyche und des Verhaltens durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft u.a. auch Symptome aufweisen, die jenen von ADHS ähnlich sind. Weiters ist das Risiko für ADHS erhöht. Die Fachwelt geht davon aus, dass selten auch massive emotionale und ernährungsbedingte Verwahrlosung zu ADHS führen kann.
Im Allgemeinen spielen Ernährungsfaktoren hingegen keine Rolle. Bei einer kleinen Gruppe von betroffenen Kindern kann es jedoch zu leichten Verhaltensauffälligkeiten oder auch Unaufmerksamkeit kommen, wenn sie folgende Lebensmittel zu sich nehmen: Lebensmittel mit Zusatzstoffen, übermäßigem Zuckergehalt, reduziertem Gehalt an Mineralstoffen oder essenziellen Fettsäuren.
Welche Symptome treten bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS auf?
Zu den sogenannten Kernsymptomen von ADHS zählen Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität. Ein einzelnes dieser Kernsymptome kann im Vordergrund sein. Faktoren, die das Wohlbefinden insgesamt stören – wie Bewegungsmangel, Schlafmangel, Hunger, Aufregung, Ärger – und belastende Situationen wie bei Konflikten können Symptome verstärken. Zudem sind noch weitere Symptome wie Probleme bei der Gefühlsregulation möglich.
Hinweis
Es kann im Lauf der Entwicklung allgemein vorkommen, dass Kinder unaufmerksam, übermäßig aktiv oder auch einmal impulsiv sind. Bei ADHS ist das Ausmaß dieses Verhaltens jedoch größer als üblich.
Anzeichen eines Aufmerksamkeitsdefizits
Das Aufmerksamkeitsdefizit kann sich zeigen durch:
- Ablenkbarkeit: z.B. von einer Tätigkeit oder Schwierigkeiten, bei einem Gespräch zu bleiben
- Unaufmerksamkeit, z.B. Neigung zu Flüchtigkeitsfehlern; die Kinder können in der Schule dem Unterricht nicht folgen
- Desorganisation, z.B. Schwierigkeiten, etwas zu planen – etwa Hausaufgaben
- Verlieren von Gegenständen, die man im Alltag benötigt, z.B. Schulsachen
- Vergesslichkeit, z.B. Termine vergessen oder vergessen, was man besprochen hat
Anzeichen von Hyperaktivität
Die Hyperaktivität kann sich zeigen durch:
- Innere Unruhe mit Drang, sich zu bewegen
- Probleme, sich in Ruhe zu beschäftigen
Anzeichen von Impulsivität
Die Impulsivität kann sich zeigen durch:
- Unüberlegtes, zu rasches Handeln bzw. Reden
- Probleme, sich auch einmal bei Handlungen zurückzuhalten: Zum Beispiel fällt es Kindern häufig schwer, geduldig zu warten, bis sie beim Spielen oder in der Schule an der Reihe sind.
Weitere Symptome bei ADHS
Zu weiteren Kennzeichen von ADHS können zählen:
- Verletzung von Regeln
- Unvorsichtigkeit
- Probleme beim Lernen
- Soziale Distanzlosigkeit – z.B. unpassende Nähe zu einem Menschen
- Probleme, Gefühle zu regulieren
- Hyperfokus – besonders intensive Lenkung der Aufmerksamkeit auf etwas; anderes wird kaum wahrgenommen
Zudem treten häufig weitere psychische Erkrankungen bzw. entwicklungsbedingte Probleme auf. Zu diesen zählen:
Störung des Sozialverhaltens: Diese kennzeichnen sich durch ein sich wiederholendes und anhaltendes Muster von nicht sozialem, aggressivem und aufsässigem Verhalten. Es ist schwerwiegender als etwa herkömmliche jugendliche Aufsässigkeit. Zum Beispiel: extremes Maß an Streiten, Grausamkeit, Feuerlegen, Stehlen, häufiges Lügen, ungewöhnlich schwere Wutausbrüche.
- Depression
- Autismus-Spektrum-Störungen
- Angststörungen
- Lernstörungen beim Lesen oder Rechnen
- Tic-Störungen
Weiters sind Schlafstörungen häufig.
Was kann Kinder und Jugendliche mit ADHS im Alltag unterstützen?
Fachleute empfehlen folgende Maßnahmen, die Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen können – auch Eltern sowie weitere Bezugspersonen können dabei unterstützen:
- Routinen im Tagesablauf, z.B. regelmäßige Essenszeiten und jeden Tag zur gleichen Uhrzeit schlafen gehen
- Ordnung schaffen und behalten, z.B. Sachen immer wieder an die gleiche Stelle zurücklegen, damit sie leicht gefunden werden – etwa Schulsachen
- Ruhephasen einplanen, um Ablenkungen zu vermeiden
- Kleine Ziele setzen und sehen, was man alles geschafft hat
- Hobbys, die Freude machen
- Fortschritte in der Entwicklung und im Verhalten anerkennen
- Kinder zum Beispiel durch Belohnungen nach positivem Verhalten motivieren; nicht auf negatives Verhalten konzentrieren
- Kurze Auszeit in einem ruhigen Raum nach problematischem Verhalten ermöglichen
- Reduktion von Bildschirmzeit bzw. Beschäftigung mit digitalen Medien; weitere allgemeine Informationen zum Umgang mit digitalen Medien finden Sie auch in der AWMF-Leitlinie für Eltern „Die wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit Smartphone, Computer, Spielkonsole und TV in der Familie“.
Was kann Eltern von Kindern mit ADHS unterstützen?
Für Eltern bzw. Erziehungsberechtigte kann es sehr herausfordernd sein, mit ADHS des Kindes umzugehen. Viele von ihnen entwickeln persönliche Strategien, damit zurechtzukommen. Zudem ist es wesentlich, immer wieder daran zu denken, dass sich das Kind nicht mit Absicht so verhält. Ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe kann unterstützen, mit der Situation möglichst gut umzugehen.
Weitere Informationen finden Sie unter: ADHS bei Kindern und Jugendlichen | Gesundheitsportal
Erwachsene
Welche Symptome treten bei Erwachsenen mit ADHS auf?
ADHS kennzeichnet sich auch bei Erwachsenen mit Symptomen wie Unaufmerksamkeit, Unruhe und Impulsivität.
Bei Erwachsenen zeigt sich ADHS meist jedoch weniger deutlich als bei Kindern und Jugendlichen. Folgende Symptome treten eher auf:
- innere Unruhe und Unausgeglichenheit
- Reizbarkeit
- schweres Aushalten von Frustration – z.B., wenn einem etwas nicht gelingt
- Schwierigkeiten mit der Regulation von Gefühlen
Erwachsene mit ADHS erleben vor allem Schwierigkeiten im Alltag. Dazu zählen Probleme bei der Arbeitsorganisation – wie das laufende Verschieben von Aufgaben, beim Zeitmanagement und bei der Konzentration. Zudem kann Vergesslichkeit auftreten. Auch Schwierigkeiten in der Beziehung sind möglich. Manche Betroffene zeigen eine erhöhte Risikobereitschaft – etwa beim Autofahren. Stress erschwert es, Tätigkeiten auszuüben.
Die Fachwelt ist sich noch nicht einig darüber, ob es möglich ist, dass sich erst im Erwachsenenalter die ersten Symptome von ADHS zeigen können. Nicht alle Menschen mit ADHS haben die gleichen Symptome. Ungefähr 50 bis 80 Prozent der Erwachsenen, die bereits als Kind ADHS hatten, weisen noch Symptome auf. Ca. 15 Prozent dieser Personen erfüllen noch die Kriterien einer Diagnose im Erwachsenenalter.
Häufige Begleiterkrankungen bei Erwachsenen mit ADHS
ADHS im Erwachsenenalter kommt nur selten ohne eine andere Erkrankung vor. Häufige tritt ADHS mit folgenden Erkrankungen auf:
- Suchterkrankung
- Persönlichkeitsstörung
- Depression
- Angststörung
- Essstörung
- Restless-Legs-Syndrom
Auch Adipositas tritt vermehrt auf.
Psychiatrische Begleiterkrankungen nehmen statistisch gesehen mit zunehmendem Alter eher zu. Dagegen werden die ADHS-typischen-Symptome weniger sichtbar. Erwachsene mit einer ADHS-Diagnose dürften laut Fachleuten auch eine höhere Sterblichkeitsrate und eine kürzere Lebenserwartung haben als Menschen ohne ADHS – wobei Frauen stärker davon betroffen sind als Männer.
Was kann ich selbst tun, wenn ich ADHS habe?
Probleme mit ADHS im Erwachsenenalter können sehr unterschiedlich sein. Manche Betroffenen entwickeln im Lauf der Zeit eigene hilfreiche Strategien im Umgang mit ADHS. Dazu können etwa zählen:
Planung des Tagesablaufs – Struktur sowie Routinen im Alltag
Listen zur Erinnerung an Tätigkeiten oder Termine erstellen
Auch Unterstützung durch nahe Bezugspersonen wie die Familie sowie der Freundeskreis kann dabei hilfreich sein. Zudem ist ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe eine Möglichkeit, mit anderen Betroffenen zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Folgende Maßnahmen sind zudem laut Fachleuten empfehlenswert im Umgang mit ADHS:
- Sich an den Behandlungsplan halten.
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
- Ausreichend schlafen.
- Regelmäßig essen und trinken.
- Gesunde Bewegung.
- Ordnung halten. Gegenstände immer an gleiche Plätze legen, um sie gut wieder zu finden.
- Sich auf eine Tätigkeit konzentrieren.
- Ziele in kleine Schritte aufteilen und Aufgaben nach und nach erledigen.
- Zu viel Stress vermeiden.
Weitere Informationen finden Sie unter: ADHS bei Erwachsenen | Gesundheitsportal
Quellen:
www.gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, Medieninhaber und Herausgeber Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Online unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/adhs-kinder.html (abgerufen am 13.01.2026). (Quellenverzeichnis des genannten Artikels online unter https://www.gesundheit.gv.at/ueber-uns/quellen/krankheiten/psyche/adhs-kinder.html)
www.gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, Medieninhaber und Herausgeber Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: ADHS bei Erwachsenen. Online unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/adhs-erwachsene.html (abgerufen am 13.01.2026). (Quellenverzeichnis des genannten Artikels online unter https://www.gesundheit.gv.at/ueber-uns/quellen/krankheiten/psyche/adhs-erwachsene.html)